Händels Messiah: Andreas Schneidewind im Interview

Händels Messiah: Andreas Schneidewind im Interview

Händels Messiah: Andreas Schneidewind im Interview

# Kirchenmusik

Händels Messiah: Andreas Schneidewind im Interview

Die Evangelische Kantorei Fulda lädt für Sonntag, 15. März, 17 Uhr, zu einer Aufführung des "Messiah" von Georg Friedrich Händel in die Christuskirche Fulda ein. Die Kantorei knüpft damit an eine lange Tradition anspruchsvoller Kirchenmusik in der Region an. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Schneidewind, der seit 2014 die Kirchenmusikalische Fortbildungsstätte in Schlüchtern leitet und seit 2015 auch die Fuldaer Kantorei prägt, widmen sich Chor, Solisten und Orchester einem Werk, das zu den bedeutendsten Kompositionen der Musikgeschichte zählt.

Im Gespräch mit Hartmut Zimmermann erläutert Schneidewind die besondere Faszination von Händels „Messiah“, spricht über interpretatorische Herausforderungen und darüber, was dieses Oratorium bis heute so bewegend macht. Das Interview gibt Einblicke in die Probenarbeit, die spirituelle Dimension des Werkes und die Erwartungen an die Aufführung in der Christuskirche Fulda.

Frage: Händels „Messiah“ ist eines der bekanntesten Stücke der geistlichen Musik. Spätestens das „Halleluja“ kennen mindestens drei Viertel der Zuhörenden – notfalls auch aus der Werbung. Was macht das Stück für Sie und Fuldas Evangelische Kantorei (dennoch) so interessant, dass sie es am 15. März in der Christuskirche aufführen?

Andreas Schneidewind:  „ Eine berechtigte Frage – wobei sie auch für Werke mit ähnlicher Bekanntheit gestellt werden kann. Ich erinnere z.B. an das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, dessen Eingangschor auch regelmäßig auf Weihnachtsmärkten zu hören ist.

Das Kennen eines Werkes „nur“ vom Hören ist aber überhaupt nicht vergleichbar mit dem eigenen Live-Erlebnis: Die Atmosphäre und Akustik in der Christuskirche, die Klangnuancen der Instrumente, das gespannte Zuhören des Publikums sind immer wieder besondere Erlebnisse. Und keine Aufführung gleicht der anderen: Ein Bild verändert sich nicht, Musik hingegen erklingt jedes Mal neu.

Sie studieren das Werk in englischer Sprache ein. Warum nutzen Sie nicht die für das Publikum ja erheblich einfacher zu verstehende deutsche Version – gerade, weil es ja auch um die Botschaft der zugrunde liegenden Bibeltexte geht?

Schneidewind:

Diese Frage ist einfach zu beantworten: Das Libretto zu Händels Messias stammt von einem Engländer – Charles Jennens stellte die Texte aus der King-James-Bibel und dem Book of Common Prayer der Anglikanischen Kirche zusammen. Die Originalsprache ist also Englisch, und für diese Sprache ist die Musik komponiert worden.

Welche sprachlichen  und musikalischen Herausforderungen mussten die Sängerinnen und Sänger meistern? Und gibt es Passagen, an denen der Chor besonders intensiv gearbeitet hat?

Schneidewind:

Da kommt mir Loriots Sketch mit der von Evelyn Hamann grandios dargebotenen englischen Fernsehansage in den Sinn (lacht). Eine Herausforderung sind diverse Textpassagen mit „th“, die in schnellem Tempo artikuliert werden müssen, z.B. Wortkombinationen wie „who giveth us the victory“.

Aber auch die sogenannten „Koloraturen“ – schnelle Läufe auf einer Textsilbe – sind für die Chorsänger:innen keine ganz leichte Aufgabe.

Welche Bedeutung hat das Programmheft, das Sie für die Aufführung eigens gestalten – ist es für ein umfassendes Verstehen des Werks unverzichtbar?

Schneidewind:

Schon alleine der englische Originaltext und seine Übersetzung benötigen viele Seiten im Programmheft. Da geistliche Musik immer auch eine Botschaft übermittelt – im Fall des Messias die Lebensgeschichte Jesu und seine Bedeutung für uns Menschen – ist die Möglichkeit, den Text mitzulesen, aus meiner Sicht unerlässlich. Darüber hinaus wird es auch einen Einführungstext geben, der über das Werk und seine Entstehung informiert.

Manche Messiah-Aufführungen waren ja geradezu Massenveranstaltungen mit hunderten Choristen und gigantischen Orchestern. Was erwartet das Publikum in der Christuskirche?

Schneidewind:

Die Kantorei hat etwa 50 Sängerinnen und Sänger, dazu kommen vier Solist:innen und ein Orchester mit 20 Instrumentalist:innen.

Mit welchen Solistinnen und Solisten und welchen Instrumentalisten wirken Sie bei der Aufführung zusammen?

Schneidewind:

Schon bei anderen Konzerten gesungen haben die Sopranistin Judith Wiesebrock, der Tenor Christian Dietz und der Bass Sebastian Kitzinger. Erstmals dabei sein wird der Altus Daniel Folqué – die Alt- Solostimme wird als wie in der Barockzeit üblich von einem Mann gesungen. Die Kammerphilharmonie Mannheim ist sozusagen das „Stammorchester“ der Kantorei, mit dem wir regelmäßig zusammenarbeiten.

Der „Messiah“ ist nicht nur ein großes und bedeutendes, sondern auch ein sehr umfangreiches Werk. Wie studiert man ein solches Opus mit einem Laien-Chor ein, ohne dass den Sängerinnen und Sängern bei diesem Marathon die Freude am Singen vergeht?

Schneidewind:

Die Frage, ob dies gelingt, sollte vielleicht eher den Chorsänger:innen gestellt werden (lacht). Wichtig ist auf jeden Fall, den Chor beim Erlernen des Werkes pädagogisch gut anzuleiten und ihn auch auf die stimmlichen Herausforderungen eines solchen Werkes gut vorzubereiten. Bei 21 Chorstücken mangelt es jedenfalls nicht an Abwechslung!

Verraten Sie uns, welche Stücke im „Messiah“ Ihnen persönlich ganz besonders wichtig sind und am Herzen liegen?

Schneidewind:

Gerade beschäftige ich mich sehr intensiv mit der Partitur. In dieser Phase ist es für mich eigentlich nicht möglich, Stücke besonders hervorzuheben. Das ganze Werk ist großartige Musik. Es ist ein bisschen wie bei einem guten Eisbecher mit unterschiedlichen Kugeln: Es schmeckt immer die Kugel am besten, von der man gerade isst!

Gibt es besondere Momente oder Anekdoten aus den Proben, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Schneidewind:

Da fällt mir vor allem der Chorsatz „O thou that tellest good tidings to Zion“ ein. Wenn beim Wort „thou“ das „th“ nicht korrekt ausgesprochen und damit eher zu einem „s“ wird, ergibt sich eine interessante Textinterpretation – es erklingt dann klar und deutlich das Wort „Sau“…

Welche Rolle spielen Ehrenamtliche und Unterstützer im Hintergrund?

Schneidewind:

Zunächst ist wichtig zu betonen, dass alle Chorsänger:innen Ehrenamtliche sind! Sie engagieren sich, in dem sie sich jede Woche die Zeit für 2 Stunden Chorprobe nehmen, und sie wirken in Gottesdiensten und Konzerten mit.

Sehr dankbar bin ich aber auch für die Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit, die größtenteils von Mitgliedern des Chorbeirats bzw. der Kantorei organisiert wird. Plakate, Flyer, die Pressearbeit, der Kartenvorverkauf – um nur einige Beispiele zu nennen.

Aber auch die Unterbringung von Solist:innen und Instrumentalist:innen zwischen Generalprobe am Samstag und Aufführung am Sonntag sowie die Organisation des „Caterings“ für die Generalprobe sind sehr wertvolle ehrenamtlich übernommene Aufgaben.

Ein großer Dank gilt außerdem dem Verein zur Förderung der Kirchenmusik im Bereich der Evangelischen Gesamtgemeinde Fulda e.V. und seinen Mitgliedern, der das Konzert mit einem großzügigen Zuschuss mitfinanziert.

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