Diakonie Fulda: Gaby Wölffel prägte über zwei Jahrzehnte die Abteilung Jugendhilfe der Diakonie Fulda

Diakonie Fulda: Gaby Wölffel prägte über zwei Jahrzehnte die Abteilung Jugendhilfe der Diakonie Fulda

Diakonie Fulda: Gaby Wölffel prägte über zwei Jahrzehnte die Abteilung Jugendhilfe der Diakonie Fulda

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Diakonie Fulda: Gaby Wölffel prägte über zwei Jahrzehnte die Abteilung Jugendhilfe der Diakonie Fulda

„Ich bin neugierig und möchte Dinge bewegen“: Mit diesem klaren Selbstverständnis hat Gaby Wölffel über 22 Jahre die soziale Landschaft in Fulda mitgestaltet; davon 17 Jahre als Abteilungsleiterin der Jugendhilfe und der Fachstelle für Suchtprävention. Gestern wurde die profilierte Sozialexpertin im Rahmen einer Feierstunde im Evangelischen Zentrum Haus Oranien in den Ruhestand verabschiedet. Sie hinterlässt ein Feld, das sie nicht nur fachlich, sondern auch als engagierte Streiterin für gerechte Rahmenbedingungen maßgeblich geprägt hat.

Von der Kriminologie zur Diakonie

Geboren 1960 in Bonn, zog es Wölffel nach ihrem Studium der Sozialen Arbeit in Köln und einigen Semestern Sport- und Erziehungswissenschaften an der Uni Bonn zunächst in die Wissenschaft. Ein Aufbaustudium der Kriminologie in Hamburg prägte ihren Blick auf Biografien: Was verhindert kriminelle Karrieren? Wie gelingt Resozialisierung ohne Haft? Nach Stationen in Forschung und Lehre an der Universität Hamburg und der Hochschule Bielefeld sowie Projekten in Schwerin, fand die Pädagogin und Kriminologin schließlich ihren Weg zur Diakonie. 2004 stieß sie zum Diakonischen Werk in Fulda – eine bewusste Entscheidung für einen Arbeitgeber mit breitem Spektrum und klarem Wertekompass.

„Anwältin für Familien“: Zwischen Teamleitung und Leuchtturmprojekten

Ab 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Jugendhilfe. Unter ihrer Regie wuchs ein Team von bis zu 15 Mitarbeitenden, das sich um komplexe Fälle kümmerte: Antigewalttrainings, soziale Kompetenztrainings, Betreuungshilfen mit Erziehungsbeistandschaften und sozialpädagogische Familienhilfen, sowie auch begleitete Umgangskontakte für Kinder von getrennt lebenden Eltern. Wölffel war dabei nie nur Verwalterin, sondern immer auch Anwältin für die Familien, Kinder und jungen Erwachsenen in Krisen und schwierigen Lebenssituationen. Maßgeblich trieb sie die Initiierung von Leuchtturmprojekten voran: Mit „HaLT“ (Hart am Limit) etablierte sie ein Programm, das sich gezielt mit dem riskanten Alkoholkonsum Jugendlicher auseinandersetzt und im Ernstfall sofortige Intervention bietet. Parallel dazu legte sie großen Wert auf den Reflexionskurs „FreD“ (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten). Dieser Kurs dient als entscheidende Weichenstellung: Er bietet jungen Drogenkonsumenten die Chance, ihr Verhalten kritisch zu hinterfragen, bevor sich eine feste Suchtdynamik oder eine kriminelle Karriere verfestigen kann. Für Wölffel war diese präventive Arbeit kein optionales Zusatzangebot, sondern ein unverzichtbarer Teil diakonischer Verantwortung für die nächste Generation.

Dreierteam im Vorsitz der Mitarbeitervertretung

Ein besonderes Augenmerk legte Gaby Wölffel stets auf die betriebliche Mitbestimmung. Bereits seit 2009 brachte sie sich in der Mitarbeitervertretung des Evangelischen Kirchenkreises ein, die die Interessen von rund 450 Beschäftigten wahrt. In den vergangenen dreieinhalb Jahren übernahm sie eine Rolle im MAV-Vorsitz, den sie als Teil eines Dreierteams leitete. Für Wölffel war es eine Herzensangelegenheit, die Interessen der Belegschaft mit Nachdruck zu vertreten. „Gute Arbeitsbedingungen fallen nicht vom Himmel“, sagt Wölffel heute rückblickend. Dass sie sich zuletzt auch im Kirchenkreis intensiv dem schwierigen Thema der Prävention sexualisierter Gewalt widmete, unterstreicht ihren Mut, auch dort hinzuschauen, wo andere lieber wegschauen.

Schöpfungsbewahrung auf zwei Rädern

Neben ihrer fachlichen Expertise ist Gaby Wölffel in Fulda vor allem als leidenschaftliche Radfahrerin bekannt. Aktiv im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), kämpfte sie für eine umweltfreundliche Stadt und die „Bewahrung der Schöpfung“ im ganz praktischen Sinne.

Der Ruhestand führt Gaby Wölffel und ihren Mann Jürgen, mit dem sie seit 40 Jahren verbunden und seit 2020 verheiratet ist, von ihrem Wohnort Alsfeld aus immer wieder auch in den Norden. In Lübeck wartet das Elternhaus auf die „Wassermenschen“. Angst vor der plötzlichen Freiheit hat sie nicht: „Ich werde die Managerin meiner eigenen Zeit.“

Was sie mitnimmt? Die Zuversicht und das Gottvertrauen, das sie durch vier Jahrzehnte Sozialarbeit getragen hat. Was sie hinterlässt? Eine Abteilung, die fest in der Stadtgesellschaft verankert ist, und das Vorbild einer Frau, die gezeigt hat, dass man mit Direktheit und viel Sachverstand einiges bewegen kann.

Foto: vlnr. Diakonie-Geschäftsführerin Claudia Schröder, Diakoniepfarrer Lars Rilke, Gaby Wölffel, Dekan Dr. Thorsten Waap, Diakonie Geschäftsführer Daniel Weiss verabschieden Abteilungsleiterin Gaby Wölffel in den Ruhestand.

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