20/03/2026 0 Kommentare
Evangelische Kantorei gestaltete eine bewegende Aufführung von Händels „Messiah“
Evangelische Kantorei gestaltete eine bewegende Aufführung von Händels „Messiah“
# Kirchenmusik

Evangelische Kantorei gestaltete eine bewegende Aufführung von Händels „Messiah“
Nach zweieinhalb Stunden intensiven Hörens und Musizierens waren die grandiosen Schlussakkorde des „Amen“ ein letzter Moment des Innehaltens. Selbst ein irgendwo im Kirchenschiff durchaus zur Unzeit läutendes Handy vermochte die Spannung nicht zu zerstören, die sich danach in langem, überaus intensivem Beifall Bahn brach. Händels „Messiah“, in Originalsprache dargeboten von Fuldas Evangelischer Kantorei unter Andreas Schneidewind, hatte das Publikum in der voll besetzen Christuskirche begeistert.
Unter Schneidewinds behutsamer, aber konsequenter Leitung entfalteten die konzentriert-präsente Kantorei, die fein agierende Kammerphilharmonie Mannheim und das Solisten-Quartett mit Judith Wiesebrock (Sopran), Daniel Folqué (Altus), Christian Dietz (Tenor) und Sebastian Kitzinger (Bass) ihr Potential und schufen so ein außerordentliches Konzerterlebnis. Dabei bewährte sich das eingespielte Miteinander der Ensembles, die auch schon bei früheren Konzerten bestens harmoniert hatten.
Händel, der für seine Darstellung des biblisch verheißenen Messias auf ganz unterschiedliche Passagen des Alten wie des Neuen Testaments zurückgreift, nutzt die ganze Bandbreite musikalischer Formate. Nach der klangvollen einleitenden Sinfonia sind bei den verschiedenen Arien und Rezitative im Zusammenwirken von Gesangssolisten und Instrumentalisten immer wieder kammermusikalische Qualität und Durchhörbarkeit gefragt. Flexibilität verlangte Schneidewind auch seiner Kantorei ab. Denn zwischen den oft von chromatischen, sich reibenden Klängen geprägten Chorsätzen zur Passion Jesu stehen klang- und textbetonte Stücke sowie solche mit fugenartig verschachtelten Themen und anspruchsvollen Koloraturen.
Und dann gibt es als einen großen Höhepunkt das von allen schon erwartete „Halleluja“. Erst hier, zum Ende des zweiten der drei Teile des „Messiah“, erklingt Händels Musik wirklich „mit Pauken und Trompeten“ in großer barocker Pracht. Der englischen Aufführungstradition folgend hatte Schneidewind das Publikum dazu eingeladen, sich zum „Halleluja“ zu erheben und so einen Moment besonderer Intensität geschaffen.
Im abschließenden Teil des Oratoriums lässt Händel die Hoffnung auf Gnade und Auferstehung Klang werden. In der Bass-Arie „The trumpet shall sound“ gestalteten die Solo-Trompete und Sänger Sebastian Kitzinger mit dem Orchester ein starkes Tonbild des Jüngsten Gerichts. Im Alt/Tenor-Duett fragten Daniel Folqué und Christian Dietz mit Paulus' Worten „O death, where is thy sting?“, bevor Judith Wiesebrock in der Sopran-Arie „If God be for us, who can be against us?“ der Erlösungszuversicht kunstvoll Ausdruck verlieh. Mit dem überaus eindrücklich dargebotenen Chorsatz „Worthy is the Lamb“ spannte die Kantorei schließlich den Spannungsbogen zum großen, abschließenden „Amen“.
Text: Hartmut Zimmermann, Foto: Dr. Thorsten Waap
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